Die Begründung der Bielefelder Gemeinde vor 90 Jahren

 Am 15. März 1925, dem 1. Passionssonntag, wurde die ­Gemeinde Bielefeld/Herford begründet. Die ersten beiden ­Sakramente in Bielefeld waren die ­Taufe von Eberhard Frank am 19.7.1924 und die Trauung von Max und Frieda Westhäuser am 29.1.1925, die Claus von der Decken aus Hannover vollzog.

Auf der Michaelitagung der Christengemeinschaft im ­Oktober 1924 in Hannover erlebten mehrere Bielefelder und Herforder die erste Menschenweihehandlung. Es entstand der Wunsch, die Bewegung für religiöse ­Erneuerung auch in Bielefeld zu begründen.

Bereits im November 1924 wurden monatlich Spenden von Interessierten eingesammelt, um Gewänder und Altargerät anschaffen zu können. Die ersten Gewänder, vorläufig in lila, nähte Johanna Fastabend. In ihnen fand dann auch die erste Menschenweihehandlung statt. Hermann Frank, einer der Gründungsmitglieder in Bielefeld, Vater des ­ersten Täuflings Eberhard, ministrierte.

Aus den Erinnerungen von Heinrich Rittelmeyer:

… Es war zunächst keine Möglichkeit, in Bielefeld einen Raum zu finden, in dem man am Sonntag eine Weihehandlung hätte halten können. Es war nur möglich: am Montag um 6 Uhr. Damit konnte man keine Gemeinde begründen. Nun hatte ich aber noch meine Dienstwohnung im Herforder Lehrerseminar. Da waren zwei Zimmer nebeneinander von zusammen über 55 qm, durch Flügeltüren verbunden. So haben wir die beiden Gemeinden dort gemeinsam am Sonntag, den 15. März 1925, gegründet. Außer dem Priester waren 30 Bielefelder und 14 Herforder anwesend.

Unter den ersten Mitgliedern und Freunden der Gemeinde Bielefeld/ Herford waren mit Max Westhäuser ein Kunstmaler, Paul Froböse und Paula Frank, beide Lehrer, es gab einen Konditor, Werkzeugschlosser, Schleifer, Feilenhauer, Schlosser, Schneider und andere Arbeiter. Die Gemeinde war vorwiegend eine Männergemeinde, vor allen Dingen waren es Arbeiter. Darauf war man immer sehr stolz.

Am Karfreitag, den 10. April 1925, wurde die erste Menschenweihehandlung in Bielefeld in der Wohnung von Frau Drewes, Friedrichstrasse 25, gefeiert. Heinrich Rittelmeyer zelebrierte nun die Menschenweihehandlung sonntags immer um 7 Uhr in Herford und um 10 Uhr in Bielefeld.

Mit Unterbrechung der Verbotszeit der Christengemeinschaft vom 25. Juli 1941 bis zum Kriegsende 1945 fließt nun der Strom der Weihehandlung durch die Gemeinde Bielefeld. Die Menschenweihe­handlung am 15. März 2015 haben ca. 70 Menschen in der ­Thomas-Kirche mitgefeiert. Durch Antje Glöckner, ­Organistin und Mitglied der ­Filiale Minden, war die Orgel, die als Leihgabe bei uns stehen kann, zu hören. Ein schönes Geburtstagsgeschenk!

P.S. Der 15. März im Jahr 1958 ist Max Westhäussers Todestag geworden, im Gemeindebuch ist es nachzulesen.

Marion Kulessa

 

Aus der Geschichte der
Christengemeinschaft in Bielefeld

Ab 1929 hatte die Gemeinde ihre Räumlichkeiten am
Sparrenberg
12. Wahrscheinlich um 1935 erinnert sich
Frieda Austmeyer, eine Zeitzeugin, dass ein Altarbild von
Margaretha Woloschina gekauft wurde, das sie 1959 auf
einen Wert von 660 DM schätzte.
Im Juni 1941 wurde das Verbot der Christengemeinschaft
ausgesprochen. Frieda Michaelis hat dazu 1959 zu Protokoll
gegeben:
Ich war vor dem Kriege Mitglied der Christengemeinschaft
und bin es heute noch. Im Juni 1941 wurde zunächst der
Gottesdienstraum am Sparrenberg durch die Staatspolizei
versiegelt, dann hat man mich abgeholt. Ich mußte meine
Koffer zur Verfügung stellen, hierin wurden die Gewänder
eingepackt. Es waren acht Sätze an Gewändern, die zu einem
großen Teil noch verhältnismäßig neu waren. Ich würde
den Wert sehr vorsichtig auf 600,- Mark schätzen, wobei
ich glaube, dass der Wert noch gering angesetzt ist. Die
Koffer
wurden versiegelt, sie haben dann noch etwa 14 Tage
in meiner Wohnung gestanden, dann wurden die Sachen
durch Beamte der Geheimen Staatspolizei abgeholt.
Als ich mit dem Beamten im Gottesdienstraum war, waren
sämtliche Sachen aus dem Schrank ausgeräumt und auf einen
Tisch gestellt. Es handelte sich hierbei um die Messgeräte
und Taufgeräte. Das Abendmahlsgerät war aus Silber
und woraus das Taufgerät bestand, weiß ich nicht mehr.
Das Weihrauchgefäß war aus Messing. Das Altarbild war
ungefähr 2,25 x 1,25 Meter groß. Es war ein Originalgemälde.
Das Bild war damals aus dem Rahmen geschnitten und
zusammengerollt zu den anderen Sachen gelegt worden.